Angriffsorte von Medikamenten

Der Körper verfügt über eine ganze Reihe von "Stellschrauben", um den Blutdruck stets den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Aus dem Verständnis dieses Regelsystems heraus wurden verschiedene Klassen von blutdrucksenkenden Medikamenten entwickelt, mit denen sich die Behandlung ganz individuell anpassen lässt.

Angrifforte von Medikamenten
Unser Körper reguliert den Blutdruck in Abhängigkeit von den aktuellen Bedingungen. Will man zum Beispiel körperliche Arbeit verrichten, benötigen die Muskeln mehr Sauerstoff und Nährstoffe. Um diesen Bedarf zu decken, steigert der Körper den Blutdruck und den Herzschlag. Umgekehrt sinken Blutdruck und Herzschlag, wenn man ruht oder schläft und der Sauer- und Nährstoffbedarf der Muskeln wieder abnimmt.

Um einen Einblick zu bekommen, auf welche Weise die verschiedenen Arzneimittel den Blutdruck senken, ist ein kurzer Abstecher in das Thema Blutdruckregulation nötig, denn an ihr setzen die verschiedenen Medikamente an.

Auf welchem Weg lässt unser Körper den Blutdruck steigen?

Der Blutdruck kann an verschiedenen Stellen des Körpers reguliert werden. Dies sind die wichtigsten:
das Herz: je kräftiger das Herz pumpt, desto höher der Blutdruck.
die Blutgefäße: werden die Arterien verengt, steigt der Blutdruck, Gefäßerweiterung lässt ihn sinken.
die Nieren: je mehr Salz und Wasser die Nieren ausscheiden, desto niedriger das Blutvolumen und damit auch der Blutdruck.
Diese verschiedenen Orte der Blutdruckregulation – das Herz, die Gefäße und die Niere – werden hierbei von zwei verschiedenen Systemen gesteuert:
vom autonomen (d.h. nicht willentlich beeinflussbaren) Nervensystem: dem sogenannten Sympathikus. Er kann den Herzschlag durch Botenstoffe beschleunigen und das Herz kräftiger schlagen lassen, sodass der Blutdruck steigt. Einer dieser Botenstoffe ist uns allen gut bekannt: das Adrenalin, welches unseren Herzschlag und Blutdruck steigen lässt.
das Renin-Angiotensin-System: am Ende einer Signalkaskade im Blut, die mit dem Enzym Renin beginnt, entsteht der Botenstoff Angiotensin II. Er hat von allen Botenstoffen im Körper die stärkste gefäßverengende und damit blutdrucksteigernde Wirkung. Angiotensin II wirkt aber auch auf die Nieren, die dann weniger Wasser ausscheiden. Das erhöht das Blutvolumen und so ebenfalls den Blutdruck.
Medikamente
Auf Basis der Mechanismen der Blutdruckregulation wurden verschiedene Medikamentengruppen entwickelt, die den Blutdruck auf unterschiedliche Weise senken. In der Reihenfolge Ihre Entwicklung von der modernsten bis zur ältesten Wirkstoffgruppe sind die fünf am häufigsten eingesetzten und von der Deutschen Hochdruckliga e. V. besonders empfohlenen Medikamentengruppen die folgenden*:
Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten
ACE-Hemmer
Kalzium-Antagonisten
ß-Blocker
Diuretika
Wie die einzelnen Medikamentengruppen nun auf den Blutdruck wirken, erfahren Sie im
Kapitel "Medikamentengruppen"
* Zusätzlich zu den oben genannten gibt es noch vier weitere Medikamentengruppen: Alpha 1-Blocker, zentral wirkende Antisympathotonika, Aldosteronantagonisten und einen Renin-Inhibitor, letzterer als neueste Substanzklasse unter den Antihypertensiva. Da der Stellenwert dieser Medikamentengruppen laut Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga e.V. (Stand 1. Juni 2008) auf Grund einer zu niedrigen Anzahl an geeigneten Studien zur Zeit nicht eindeutig definiert werden kann, wird hier auf diese Medikamentengruppen nicht eingegangen. Das schließt jedoch nicht aus, dass eine oder mehrere dieser Medikamentengruppen für einen individuellen Patienten zur Therapie geeignet ist.
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